Alt werden – eine individuelle und gesellschaftliche Herausforderung

 „Alt werden – eine individuelle und gesellschaftliche Herausforderung“ – so lautete der Titel der Informationsveranstaltung des SoVD-Kreisverbandes und der Ortsverbände im Servicehaus der AWO am 6. März 2019 in Mettenhof. Zu Gast als Referentin war die Leiterin der Geriatrischen Klinik im Städtischen Krankenhaus, Frau Dr. Martina Thieves. Die Teilnehmer*innen der gut besuchten Veranstaltung waren angetan vom hoch informativen und äußerst interessanten und praxisnahen Vortrag der Referentin. Wer mehr über den Vortrag wissen möchte, kann sich in den nachfolgenden Stichworten vertiefen…

Alt werden – 
eine individuelle und gesellschaftliche Herausforderung

Lebenserwartung

Ursachen für steigende Lebenserwartung

  • Medizinischer Fortschritt
  • Wohlstand
  • Arbeitsbedingungen
  • Lebensweise
  • Soziale Fürsorge
  • Hygiene
  • Bildungsniveau

Demografische Entwicklung

Gesellschaftliche Folgen steigender Lebenserwartung

  • 2030: 71 Rentner auf 100 Erwerbstätige
  • 2050: 78 Rentner auf 100 Erwerbstätige
  • Veränderung von Renteneintrittsalter, Rentenniveau und Rentenversicherungsbeiträgen, Zuschuss aus Steuern
  • Zunahme alterstypischer Erkrankungen wie Diabetes, Demenz, Arthrose …..
  • Erhöhte Anforderung an soziale Unterstützungssysteme

Lebenserwartung steigt

  • Lebensphase Alter verlängert sich ->mehr 
  • Lebenszeit zur individuellen Gestaltung, längerer Rentenbezug

Altenquotient steigt 

  • Anteil der Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, nimmt
  • im Verhältnis zu 100 Personen unter 65-Jähriger zu ->
  • Familienförderung zur Steigerung der Geburtenrate

Weniger Geburten als Sterbefälle 

  • Gesamtbevölkerung nimmt ab -> Diskussion: Zuwanderung als Lösungsmöglichkeit?

Fachkräftemangel 

  • besonders in den sozialen Berufen,
  • „Pflegenotstand“ -> Pflegestärkungsgesetz, 
  • Pflegepersonaluntergrenzen, aktueller Tarifabschluss 2019
  • „Generationenkrieg“, „Rentnerschwemme“ -> Diskussion über Grundsicherung im Alter, Zuschüsse zur Rentenversicherung, private Altersvorsorge
  • Altersdiskriminierung ( Ageism) z.B. Altersgrenzen für medizinische Leistungen? Z.B. Ausschluss durch Digitalisierung?

Individuelle Folgen steigender Lebenserwartung:

  • Mehr Lebenszeit! 
  • Nach dem Erwerbsleben 20-30 Jahre
  • 3. Lebensphase: „junge“ Alte, 
  • aktive gesunde Rentner
  • 4.Lebensphase: „alte“ Alte, erhöhtes Risiko für Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit

Lebensphase Alter ….

Infolge der steigenden Lebenserwartung und des demografischen Wandels ist charakterisiert durch:

  • mehr selbstbestimmte Zeit für Privatleben, Hobbys, Erholung, persönliche Gesundheitsvorsorge….
  • aber auch mehr gesellschaftliche Verantwortung für die jüngere Generation, für die „alten“ Alten, für die
  • Sozialsysteme, für ehrenamtliches Engagement, für die Teilhabe sozial Schwächerer, für die Entwicklung neuer Netzwerke und Lebensformen …

Gesund altern

Sport/Bewegung !!! Olivenöl, Gemüse, Obst, Salat, Nüsse,Vollkornprodukte, Fisch, Hülsenfrüchte!!

  • auf Gewicht achten
  • ausreichend trinken
  • nicht rauchen
  • Alkohol in Maßen
  • Schlafen: nicht zu viel und nicht zu wenig
  • Vitamin D Einnahme
  • Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen
  • Zahnarzt (Risikofaktor Paradontitis)
  • ungeeignete Medikamente absetzen
  • etwas Neues Lernen
  • Sinn stiftende Aufgabe
  • Freundschaften pflegen
  • Partner/-in, Familie, Wahlverwandschaft
  • Soziales Netzwerk
  • negativen Stress abbauen, Gelassenheit
  • Optimismus, Humor

Vorsorge für das Alter ….

  • Altersgerechter Wohnraum
  • Altersgerechtes Wohnumfeld
  • Soziale Kontakte
  • Vorsorgevollmacht
  • Patientenvefügung

Alter

  • Alt: > 65 Jahre, Lebensphase nach Erwerbstätigkeit hat sich deutlich verlängert auf 2-3 Jahrzehnte, „junge“ Alte (bis ca. 75 Jahre alt) und „alte“ Alte (über 75 Jahre alt)
  • Ab ca. 75 Jahre bezeichnen Menschen sich selbst als alt
  • Vielfalt und Diversität im Alter: Unterschiede bezüglich Gesundheitszustand, Leistungsfähigkeit, Interessen, Selbstversorgungskompetenz sind im Alter deutlich größer als in jüngeren Alterskohorten. 

Physiologisches Altern und Krankheit

  • physiologische Abnahme der Organfunktionen 
  • Begrenzte Organreserven und Ressourcen
  • Eingeschränkte Kompensationsfähigkeit bei akuten Ereignissen àerhöhte Vulnerabilität (Verletzbarkeit)
  • Wahrscheinlichkeit für das Auftreten (und Bleiben) von Krankheiten erhöht àchronische Krankheiten, Multimorbidität

Geriatrie

  • Altersheilkunde, Altersmedizin
  • Spezialisiert auf die Behandlung alter Menschen
  • Erhöhter geriatrischer Bedarf durch demografische Entwicklung
  • Medizinische Entwicklung begünstigt Hochaltrigkeit 
  • Hochaltrigkeit erfordert neue medizinische Konzepte

Alter und Krankheit

Alter ist ein Risikofaktor für das Auftreten von Krankheiten, z.B.:

  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Koronare Herzkrankheit
  • Eingeschränkte Herzpumpleistung (Herzinsuffizienz)
  • Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose)
  • Tumorerkrankungen
  • Schlaganfall
  • Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion)
  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Parkinson-Syndrom
  • Gangstörung, Stürze, Knochenbrüche (bes. Oberschenkelhalsfraktur)
  • Demenz
  • Depression
  • ……..

Spezialisierung in der Medizin

Organorientierte Spezialisierung

  • Innere Medizin
  • Kardiologe (Herz)
  • Gastroenterologe (Magen-Darm-Trakt)
  • Pulmologe (Lunge)
  • Nephrologe (Niere)
  • Endokrinologe (hormonproduzierende Organe)
  • Neurologe (Nervensystem)
  • Urologe (Urogenitaltrakt)
  • Orthopäde (Wirbelsäule und Gelenke)
  • ………………………..

Auch hochaltrige Patienten profitieren von

  • medizinischem Fortschritt und Spezialisierung, z.B. minimalinvasiver Klappenersatz, Alterstraumatologie.
  • Wer behält den Überblick, wenn mehrere Fachärzte gleichzeitig behandeln, aber nichts voneinander wissen?
  • Geriatrietypische alltagsrelevante Problemfelder bedürfen einer ganzheitlichen und altersspezifischen Behandlung, z.B. Mangelernährung, Sturzrisiko, Mehrfachmedikation (Polypharmazie)

Der Geriater – Spezialisiert auf alte Menschen

  • Facharzt für Innere Medizin, Neurologie oder Allgemeinmedizin mit Zusatzweiterbildung in Geriatrie, eher „Generalist“, „Lotse“ und Bindeglied zwischen den Disziplinen
  • spezialisiert auf multimorbide (mehrfach erkrankte) Menschen mit Multimedikation und erhöhten Risiken für Komplikationen 
  • berücksichtigt Krankheiten undfunktionelle Einschränkungen, arbeitet gleichzeitig akutmedizinisch und rehabilitativ
  • „nicht dem Leben mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben geben“

Alte Menschen im Krankenhaus

wünschen sich, 

 – gesund zu werden…

 – nicht pflegeabhängig zu werden…

 – in ihr eigenes Wohnumfeld zurückzukehren…

Rehabilitation vor Pflege

Geriatrische Medizin

  • Kombiniert medizinische Behandlung mit Frührehabilitation
  • Wichtig: Frühmobilisation!
  • Ziel: Pflegebedürftigkeit vermeiden/minimieren,
  • Selbständigkeit erhalten
März 11, 2019

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