Die Armutsquote in Deutschland ist 2025 auf den höchsten Stand seit Beginn der aktuellen Erhebungsreihe gestiegen. Laut dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands gelten 16,1 Prozent der Bevölkerung als arm beziehungsweise armutsgefährdet. Das entspricht rund 13,3 Millionen Menschen und bedeutet einen Anstieg um 0,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.
Nach mehreren Jahren rückläufiger Werte zwischen 2020 und 2023 ist die Armutsquote in Deutschland damit erstmals wieder deutlich angestiegen.
Grundlage der Berechnung ist die in der Europäischen Union übliche Definition relativer Einkommensarmut. Demnach gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für Alleinlebende lag diese Schwelle zuletzt bei 1.446 Euro netto im Monat, für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei 3.036 Euro.
Hohe Armutsgefährdung bei bei Älteren
Besonders groß sind die regionalen Unterschiede. Die niedrigsten Armutsquoten weisen Bayern mit 12,6 Prozent und Baden-Württemberg mit 13,2 Prozent auf. Deutlich höher liegen die Werte in Bremen mit 27,5 Prozent sowie in Sachsen-Anhalt mit 21,3 Prozent. Auch Berlin und Hamburg gehören mit jeweils fast 19 Prozent zu den stärker betroffenen Bundesländern.
Überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen sind ältere Menschen, Alleinerziehende und Alleinlebende. Fast jede fünfte Person über 65 Jahre gilt als armutsgefährdet. Die Quote liegt bei Alleinlebenden bei 30,3 Prozent und bei Alleinerziehenden bei 28,9 Prozent. Vier von fünf Betroffenen sind nicht erwerbstätig.
SoVD: Löhne und Renten müssen Lebensstandard sichern
Der SoVD weist seit Längerem darauf hin, dass niedrige Löhne und vor allem niedrige Altersrenten für Verarmung sorgen. Der Verband setzt sich daher für einen armutsfesten Mindestlohn und eine lebensstandardsichernde Rente. Aktuelle Diskussionen um Einsparungen der Rente bis hin zur Senkung des Rentenniveaus betrachtet der Sozialverband mit Sorge.
Für viele Haushalte hat Armut konkrete Auswirkungen auf den Alltag. Nach den Daten des Paritätischen konnten knapp sieben Prozent der Bevölkerung im vergangenen Jahr ihre laufenden Ausgaben nicht vollständig decken. Besonders häufig fehlte Geld für gestiegene Energie- und Heizkosten oder für notwendige Ersatzanschaffungen wie Kühlschränke oder Herde.
