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„Wir müssen politischer werden!“

Aktuelles

Ohne Ehrenamt ist der SoVD in Schleswig-Holstein nicht vorstellbar: Rund 300 Ortsverbände und ungefähr 4000 ehrenamtlich Aktive tragen die Arbeit des Verbandes im Land. Einer von ihnen ist Tyll-Niklas Reinisch. Der 28-Jährige kommt aus Schleswig-Holstein, lebt in Silberstedt und ist seit April neuer Bundesjugendvorsitzender im Sozialverband Deutschland. Er vertritt also die SoVD-Jugend bundesweit – und will junge Mitglieder stärker vernetzen, politischer auftreten und vor Ort besser erreichen.

Tyll-Niklas Reinisch aus Silberstedt ist Vorsitzender der SoVD-Jugend

Hallo Tyll, die meisten ehrenamtlich Aktiven im SoVD sind deutlich älter als Du. Warum bringst Du Dich so stark bei uns ein?

Wir alle kennen Menschen, die sich vielleicht nicht so einsetzen können. Weil die Zeit fehlt oder es gesundheitlich nicht passt. Für diese Menschen möchte ich etwas zurückgeben.

Und natürlich macht es mir auch Spaß. Der Austausch, die Diskussionen, die Themen, die man setzen kann: Das bereitet mir Freude. Im Bundesjugendvorstand sind wir auch menschlich gut miteinander verbunden.

Wie bist du zum SoVD gekommen?

Mitglied geworden bin ich vor ungefähr zehn Jahren, kurz nach meinem 18. Geburtstag. Damals ging es bei mir um eine Beratung, weil mein Grad der Behinderung zurückgestuft werden sollte. Danach war ich erst einmal eher passives Mitglied.

Irgendwann bekam ich eine Einladung zum Bundesjugendtreffen in Berlin. Ich fand das interessant, war aber unsicher, ob das wirklich etwas für mich ist. Dann bin ich auf einer Veranstaltung in Nordfriesland auf Sebastian Freese getroffen. Er war damals der Bundesjugendvorsitzende im SoVD, genau genommen mein Vorgänger. Und als wir so ins Gespräch gekommen sind, sagte er: Komm doch mal mit. Das war wichtig. Dort habe ich Kontakte geknüpft – auch zu Leuten, die heute wieder im Vorstand dabei sind.

Was macht ihr aktuell in der SoVD-Jugend?

Ein wichtiges Format sind unsere Barcamps. Das sind digitale Austauschrunden für junge Mitglieder, meistens 60 bis 90 Minuten am Abend. Dort sprechen wir über Themen, die junge Menschen wirklich betreffen. Wir hatten zum Beispiel schon Runden zum Behindertengleichstellungsgesetz und zur Rente. Weitere Themen wie Wehrdienst, Mobilität, Barrierefreiheit und die Zugänglichkeit des öffentlichen Nahverkehrs sollen folgen.

Wo liegen die größten Herausforderungen für die SoVD-Jugend?

Ganz klar bei der Ansprache. Viele junge Menschen sind über Familienmitgliedschaften im Verband, wissen davon aber vielleicht gar nichts. Deshalb müssen wir mehr in die sozialen Medien gehen und direkter mit jungen Leuten sprechen.

Außerdem müssen wir überlegen, wie niedrigschwellig unsere Angebote sind. Junge Menschen sind ja nicht weniger engagiert – sie engagieren sich nur oft anders. Nicht jeder möchte sich gleich für mehrere Jahre in einem Vorstand binden.

Und vor Ort?

Wir müssen die Jugendlichen in den Kreis- und Ortsverbänden stärker mitdenken. Wenn heute niemand nachkommt, ist morgen auch niemand da. Die Jugend von heute sind die Funktionäre von morgen.

Gerade im ländlichen Raum ist das nicht einfach. Viele Veranstaltungen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum erreichbar. Wenn Jugendliche abends nicht hin- und zurückkommen, ist die Hürde natürlich hoch.

Was möchtest du ganz konkret bei der SoVD-Jugend verändern?

Wir müssen politischer werden. Wir dürfen uns nicht zu sehr mit uns selbst beschäftigen, sondern müssen uns in Debatten einmischen. Pflege, Rente, BAföG, Mobilität oder Barrierefreiheit betreffen junge Menschen ebenfalls – nur wird ihre Perspektive oft nicht ausreichend gehört.

Viele wissen auch gar nicht, dass es einen Bundesjugendvorstand gibt. Wir sind nicht nur eine Einzelperson, sondern ein Team. Deswegen möchten wir einfach besser in der Öffentlichkeitsarbeit werden.

Ehrenamtlich arbeiten wäre auch für Sie ein Thema? Dann melden Sie sich bei:

Christian Schultz
Referent für Sozialpolitik
Telefon: 0431 / 65 95 94 - 22
Mail: sozialpolitik(at)sovd-sh.de