Bei Behandlungsfehlern haben Opfer wenig Rechte

Sozialverband Deutschland stellt Gutachten zum Patientenrecht vor.
SoVD-Präsident Adolf Bauer: „Die Patientensicherheit insgesamt
muss deutlich verbessert werden, um einen wirksamen Schutz vor
Behandlungsfehlern zu erreichen.“

Schon fast zehn Jahre ist es her, dass in Deutschland erstmals
ein Patientenrechtegesetz eingeführt worden ist – damals ein
Meilenstein. Leider zeigt sich aber, dass nach wie vor Probleme bei
der Durchsetzung der Patientenrechte bestehen. Die tatsächliche
Anzahl an Behandlungsfehlern ist nach wie vor unbekannt. In rund
jedem vierten gemeldeten Fall haben die Gutachter*innen der
Gemeinschaft der Medizinischen Dienste im Jahr 2020 einen
vermuteten Behandlungsfehler bestätigt. SoVD-Präsident Adolf
Bauer: „Dabei liegt die Dunkelziffer in Deutschland wahrscheinlich
um ein Vielfaches höher. Viele wissen nicht, dass sie Opfer eines
Behandlungsfehlers sind. Das ist nicht nur auf das erhebliche
Wissensgefälle um das Behandlungsgeschehen zurückzuführen,
sondern auch auf die Aufklärungsschwierigkeiten und damit die
Patientensicherheit insgesamt.“

Der SoVD hat daher ein rechtswissenschaftlichen Gutachten in
Auftrag gegeben und heute die Ergebnisse des
Medizinrechtsexperten Prof. Dr. Thomas Gutmann von der
Universität Münster vorgestellt. Daraus wurden Handlungsbedarfe
und konkrete Empfehlungen für eine Weiterentwicklung und
Stärkung der Patientenrechte in Deutschland abgeleitet. Adolf Bauer:
„Gestärkt werden muss die Berücksichtigung und Beteiligung der
Interessen der Patientinnen und Patienten, chronisch Kranken und
Pflegebedürftigen sowie Menschen mit Behinderungen in den
Entscheidungsprozessen des Gesundheitswesens. Letztlich muss die
Patientensicherheit insgesamt verbessert werden, um einen wirklich
wirksamen Schutz vor Behandlungsfehlern zu erreichen.“

Das SoVD-Forderungspapier umfasst dabei vier wesentliche Punkte
wie z.B. die Stärkung der individuellen Patientenrechte, etwa durch
eine Pflicht zur Information über Behandlungsfehler ohne
Nachfrage. Adolf Bauer ergänzt: „Wir brauchen auch eine stärkere
Unterstützung der Versicherten durch ihre Kassen, beispielsweise
durch die Pflicht, bei offensichtlichen Anhaltspunkten für
Behandlungsfehler die Betroffenen zu informieren. Darüber hinaus
fordern wir eine Stärkung der kollektiven Betroffenenrechte und
eine Verbesserung der Patientensicherheit, etwa durch ein zentrales
Meldesystem für Behandlungsfehler.

SoVD
Sozialverband Deutschland e. V.
Pressestelle
Peter-Michael Zernechel
V. i. S. d. P.
Pressesprecher
Stralauer Straße 63
10179 Berlin
Tel. 030 72 62 22-333
E-Mail: pressestelle@sovd.de
Web: www.sovd.d

Februar 8, 2022

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